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Keine Chance für Montezumas Rache

Durchfallserkrankungen betreffen –  je nach Reiseziel – zwischen 20 und 50 % der europäischen Touristen, die südliche Länder als Reiseziel auswählen. Sie treten akut, verbunden mit Übelkeit, starken Durchfällen und Bauchgrimmen auf. „Montezumas-Rache“, wie diese Gesundheitsstörungen auch genannt werden, sind meist harmlos. Laut historischer Überlieferung stammt die Redewendung daher, dass der letzte Aztekenherrscher Anfang des 16. Jahrhunderts den für seine Vernichtung verantwortlichen Spaniern sämtliche Krankheiten der Welt an den Hals gewünscht hat. Montezumas Rache kann bisweilen Ferienfreuden trüben und lang ersehnte Besichtigungen von einen Tag auf den anderen unmöglich machen.

Prim. Dr. Walter Schmid"Um der so genannten Reisediarrhoe keine Chance zu geben, wäre eine Expositionsprophylaxe – wie etwa ein Blick in die Kochtöpfe oder eine minimale medizinische Eigenversorgung – sinnvoll. Leider befolgen die meisten Touristen diätetische Selbstdisziplin im Ausland beim Anblick der opulenten Buffets und den exotischen Märkten nur selten. Dabei könnten durch Vorbeugung, z. B. im Sinne von ,boil it, cook it, peel it, or forget it’ schon viele Erkrankungen verhindert werden“, erklärt Prim. Dr. Walter Schmid, Ärztlicher Direktor des Landes-Krankenhauses Rohrbach und ergänzt: „Gegen die Reisediarrhoe gibt es bis dato keine Impfungen, lediglich gegen Typhus und Cholera. Zur medikamentösen Vorbeugung wären einzig Antibiotika wirksam – diese allerdings nur bei ganz spezieller Indikation.“ Prim. Dr. Walter Schmid rät in südlichen Ländern zu Vorsicht bei Essen und Trinken, da die hygienischen Standards meist nicht den mitteleuropäischen Verhältnissen entsprechen.

Reisedurchfall: Nicht gefährlich, aber lästig
Hat Montezuma nun zugeschlagen, bleibt den Betroffenen meist nur mehr die Selbsttherapie und diese sollte in der ohnehin viel zu kurzen Urlaubszeit möglichst rasch Erfolg bringen. Hilfreiche Tipps dazu sind: Anpassung der Nahrungsaufnahme, erhöhte Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr sowie körperliche Schonung. Konkret bedeutet dies, gesüßten Tee mit Salzgebäck zum Ausgleich des Kochsalzverlustes oder Würfelsuppe zu sich zu nehmen. Zu bedenken ist jedoch, dass Coca Cola, Limonaden und Tee nur wenig Natrium enthalten. Von Fastenkuren bei Durchfall rät der Rohrbacher Internist – entgegen früheren Ratschlägen – jedoch ab und empfiehlt seinen PatientInnen bekömmliche, kohlenhydratreiche Speisen wie z. B. Reissuppe.
In mäßig schweren Fällen gibt es auch eine medikamentöse Therapie. Primar Schmid dazu: „Motilitätshemmer gewähren eine besonders rasche Linderung der Symptome, wenn sie gemeinsam mit einem antimikrobiellen Medikament (z. B. Cotrimoxazol) verabreicht werden. Die mittlere Krankheitsdauer wird in 88 % der Fälle dadurch auf eine einzige Stunde reduziert. Komplikationen treten – entgegen früheren Meinungen – nicht auf. Dies gilt jedoch nicht für die durch Fieber oder Blutbeimengungen zum Stuhl gekennzeichnete schwere Dysenterie (= entzündliche Erkrankung des Darmes) wo diese Mittel sogar verboten sind. Carbo medicinalis hilft wahrscheinlich nichts, allenfalls in hoher Dosierung am Beginn der Durchfallserkrankung. Bisher ist die Suche nach einem einzigen, für sämtliche Reisediarrhoen empfehlenswerten Präparat leider ohne Erfolg verlaufen. Doch wenn einige Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, steht dem ungetrübten Urlaubsvergnügen nichts mehr im Wege.“