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ERCP-Methode zur Untersuchung der Gallengänge

OA Dr. Grüll mit dem ERCP-GerätDie Endoskopisch-retrograde Cholangiografie und Pankreatikografie – kurz ERCP – ist die röntgenologische Darstellung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge vom Zwölffingerdarm aus. Dazu wird ein flexibles Endoskop verwendet, die Untersuchung ist ähnlich einer Magenspiegelung. Gallengang und Bauchspeicheldrüse münden meistens gemeinsam im Zwölffingerdarm auf einer kleinen Schleimhautkuppe, die Mündung ist von einem Schließmuskel umgeben, der ähnlich einem Ventil die Gallenund Bauchspeicheldrüsensekrete portionsweise in den Zwölffingerdarm austreten lässt. Seit 1994 wird die ERCP am LKH Rohrbach angeboten und sie findet häufig als Begleittherapie zur operativen Entfernung der Gallenblase bei Gallengangsteinleiden Anwendung.

Im Zeitraum der letzten sechs Jahre wurden bei uns 514 ERCP durchgeführt, davon 17 % zur erweiterten Diagnostik, in 81 % wegen therapeutischen Eingriffen im Gallenoder Bauchspeicheldrüsengang, in zwei Prozent der Fälle war die Notwendigkeit für eine Drainage – also eine Ableitung von Flüssigkeitsansammlungen – gegeben.

Anwendungsgebiete

Mit der ERCP kann der Arzt Veränderungen der Gallenwege und Bauchspeicheldrüsengänge feststellen. Bei Verdacht auf folgende Erkrankungen ist eine ERCP sinnvoll:

  • Gallengangssteine
  • Tumore der Mündung der Ausführungsgänge (Papille) oder der Gallengänge
  • Entzündliche Verengung der Gallengänge
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Tumor der Bauchspeicheldrüse
  • Zysten der Bauchspeicheldrüse

Verlauf des Eingriffs

OA Dr. Roland Grüll vom Landes-Krankenhaus Rohrbach schildert den Verlauf der ERCP: „Bei der ERCP kann der Arzt mit Hilfe eines flexiblen Spezialendoskops den Zwölffingerdarm von innen betrachten und bis zur Mündung des Ausführungsganges gelangen. Ist die Mündung des Gallenganges und Bauchspeicheldrüsenganges mit dem Endoskop erreicht, füllt der Arzt diesen retrograd, also entgegen der normalen Flussrichtung, unter Röntgenkontrolle mit Röntgen-Kontrastmittel auf. Die Gangsysteme werden durch das Kontrastmittel auf dem Monitor der Röntgenanlage deutlich hervorgehoben, da durch diese Mittel der Kontrast zwischen den Gängen und dem umgebenden Gewebe verstärkt wird. Kleinere operative Eingriffe können auch während der ERCP vorgenommen werden. Der Arzt kann beispielsweise Gewebeproben entnehmen. Darüber hinaus ist mit Hilfe einer ERCP die Entfernung mündungsnaher Gallensteine möglich.”

Gegenüber einer ambulant durchführbaren Magen- oder Dickdarmspiegelung ist die ERCP aufwändiger und etwas mehr mit Komplikationen behaftet. Deswegen sind für diese Untersuchung ein stationärer Aufenthalt und eine mindestens 24-stündige Nachbeobachtungszeit notwendig.